apqp auto and aero manufacturing umlaut

Interview

Was APQP für die Luft- und Raumfahrtindustrie leisten kann

Peter Byrom und Philip Potkowski über die wichtigsten Ergebnisse ihres APQP-Implementierungs-Analyse in der Automobil- und Luftfahrtindustrie.

APQP soll die Produktentwicklung in der Luft- und Raumfahrtindustrie nachhaltig verändern. Was ist das Wesentliche an diesem Ansatz?

Peter Byrom: Wenn es einen Leitsatz für Advanced Product Quality Planning kurz APQP, würde dieser wahrscheinlich „zweimal messen, einmal schneiden“ lauten. Es geht darum, von Anfang an auf die Details zu achten und Fehler zu vermeiden, anstatt sie hinterher auszubügeln.

Das klingt wie das genaue Gegenteil der weit verbreiteten Agilität. In welchen Kontexten ist APQP sinnvoll?

Philip Potkowski: APQP ist ein sehr strukturierter Ansatz, der eine frühere Design- und Prozessreife und Prozessstabilität nötig macht. Dies kann in Branchen mit komplexen Produkten, vielen Anforderungen und vielen Interessengruppen sinnvoll sein. Deshalb ist es seit vielen Jahren in der Automobilindustrie mit ihrer weitreichenden Lieferkette etabliert, und wir haben mit Kunden auf der OEM- und der Zuliefererseite zusammengearbeitet.

Wie sieht es mit Beispielen aus der Luft- und Raumfahrtindustrie aus?

Philip Potkowski: Die Implementierung in der Luft- und Raumfahrtindustrie hat sich in den letzten Jahren beschleunigt. Die neue Norm SAE AS9145 wurde 2016 von der IAQG (International Aerospace Quality Group), herausgegeben. Wir sehen ein großes Interesse vonseiten aller wichtigen Akteure, was folgenden simplen Hintergrund hat: Qualitätsprobleme kann man sich in der Luft- und Raumfahrtindustrie gleich aus zwei Gründen nicht leisten, nämlich wegen der Sicherheit der Passagiere und der hohen regulatorischen Anforderungen.

Was können KI und maschinelles Lernen zu APQP beitragen?

Peter Byrom: Ein zentraler Aspekt von APQP ist das Risikomanagement. Schon jetzt kann Software eingesetzt werden, um Probleme mit der Gewährleistung oder Mängeln in Echtzeit zu verfolgen, was bereits große Vorteile mit sich bringt. Wir können durch den Einsatz von maschinellem Lernen diese Daten aber auch nutzen, um zukünftige Probleme vorherzusagen. Zum Beispiel, um zu sehen, ob ein bestimmtes Bauteil oder eine Kombination von Bauteilen zu Ausfällen führen könnte. Von großem Nutzen für den Kunden ist es, dass umlaut Teil von Accenture Industry X ist. Dieses Netzwerk verfügt über den gesamten Technologie-Stack, der für Automatisierung, Digitalisierung und Cloud Services sowie fortschrittliches maschinelles Lernen notwendig ist.

Sie haben die APQP-Implementierung in mehreren Unternehmen der Automobil- und Luftfahrtindustrie einem Vergleich unterzogen. Welches sind die Schlüsselfaktoren für den Erfolg, abgesehen von der Softwarekomponente?

Philip Potkowski: Am wichtigsten ist aus unserer Sicht die Zustimmung des Managements, denn das gesamte Unternehmen muss mit an Bord sein. Der nächste wichtige Punkt ist die Klärung der Zuständigkeiten. Der gesamte Prozess ist ziemlich detailliert ausgearbeitet, aber man muss sicherstellen, dass jeder seine Aufgabe kennt. Um APQP richtig umzusetzen, bedarf es einer OCM-Strategie. Die Mitarbeiter müssen den Ansatz verstehen und Zeit haben, die Veränderungen zu übernehmen. Dies ist eine langfristige Anstrengung, ein Wandel in der Kultur und im Mindset, der viel Kommunikation erfordert.

Peter Byrom: Wir haben auch festgestellt, dass die Zulieferer nicht richtig integriert waren. Zulieferer müssen mit ins Boot geholt werden, denn sie sind entscheidend für den Erfolg des Prozesses. Ihr Beitrag ist von entscheidender Bedeutung, insbesondere für die Berichterstattung über Qualität, Produktionsergebnisse oder andere KPIs. Schließlich mangelt es insbesondere in der Luft- und Raumfahrtindustrie immer noch an APQP-Experten, die den Umstellungsprozess vorantreiben können. Aber wir sehen momentan einen Transfer vom Automobilsektor.

Welche Vorteile haben Sie bei ordnungsgemäßer Umsetzung festgestellt?

Philip Potkowski: Das Versprechen sind kürzere Produktentwicklungszeiten und weniger Budgetüberschreitungen, da es einen klaren Prozess und weniger Nacharbeit gibt. Vor allem in der Luft- und Raumfahrt sehen wir den Hauptnutzen in der Qualitätssteigerung, das heißt in der Einhaltung einheitlicher Qualitätsstandards in allen Geschäftsbereichen und in der Lieferkette. Dies kann zu einer geringeren Anzahl von Mängeln und Neuqualifizierungen führen, was angesichts der strengen Vorschriften und hohen Zertifizierungsstandards besonders wichtig ist.

Peter Byrom: APQP, ergänzt durch die prädiktiven Technologien von Accenture, wird es uns ermöglichen, diesen Prozess auf eine neue Ebene zu heben. Und es ist spannend, Teil dieser Entwicklung zu sein.

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