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Crowd-Daten zur urbanen Mobilität: Das „new normal“ in Metropolen

Dreht das Coronavirus die urbane Mobilitätswende zurück? umlaut-Experten analysieren das Mobilitätsverhalten in Großstädten.

Aachen, 20.05.2020 – Ab dem 22. März werden die roten Ströme auf der Mobilitätskarte zu schmalen Flüsschen: Wo sich sonst viele Menschen sammeln, ist seit dem Kontaktverbot wenig los. An Messpunkten wie Bahnhöfen, Supermärkten, Tankstellen und auch in Apotheken halten sich weniger Personen auf. „Das ließe sich dadurch erklären, dass Menschen ihr Verhalten überdenken und zum Beispiel redundante Einkaufstouren vermeiden“, sagt umlaut-Expertin Teresa Brell.

Sie hat gemeinsam mit ihren Kolleginnen Kristin Klinge, Daniel Bargende und Simon Müller zur Mobilität in Hamburg, München, Köln und Berlin ausgewertet – und stieß dabei auch auf Überraschungen.

Schon etwa eine Woche nach dem Kontaktverbot stiegen die gemessenen Nutzungszahlen wieder an vielen Messpunkten leicht an. „Es wirkt so, als hätte es nach dem ersten Schockzustand eine gewisse Normalisierung gegeben“, sagt Brell.

Das „new normal“: Vertrauensfrage für Mobilitätsanbieter

„Normal“ bedeute in dem Fall allerdings ein „new normal“ – mit womöglich drastischen Auswirkungen für Mobilitätsanbieter. So steigt zwar die Aktivität der erfassten Nutzer wieder, allerdings verändert sich die Entfernung, die sie zurücklegen, insgesamt nur geringfügig. Der Bewegungsradius nimmt dagegen deutlich ab. Die Zahl der zurückgelegten Strecken über 15 Kilometer liegt erheblich unter dem Wert vor Beginn der Krise – ein Problem für Fernverkehrsanbieter wie Busunternehmen oder die Bahn. „Hier wird es darum gehen, dass die Anbieter das Vertrauen in diese Verkehrsmittel wieder stärken – zum Beispiel durch Hygienekonzepte und klare Kommunikation. Dass beispielsweise Bahnfahren mit Abstand möglich ist“, sagt Brell.

Das gelte auch für Anbieter von Shared-Mobility-Lösungen für die erste und letzte Meile – beispielsweise Anbieter von Elektrorollern. „Wir rechnen damit, dass Kunden hier erstmal vorsichtiger sind.“ Tatsächlich scheinen traditionelle Verkehrsträger in der Krise einen kleinen Vorsprung zu haben: An Tankstellen stieg die Aktivität in den ersten Wochen nach dem Kontaktverbot wieder schneller als an anderen Orten. Gerät der Aufbruch ins neue Mobilitätszeitalter durch die Corona-Pandemie ins Stocken? Hierzu äußern sich die Experten skeptisch. „Es bedarf unserer Einschätzung nach eines Umdenkens hinsichtlich der strategischen Ausrichtung, insbesondere von Start-ups und kleineren Anbietern im Markt. Hier erwarten wir auch eine Konsolidierung für manche Anbieter“, sagt Brell. Das könne sich insbesondere auf die Strukturen im Markt auswirken und ihn neu formen.

Was sich nicht geändert habe, sei der dahinterliegende Trend: „Die grundlegende Umstellung unseres Verkehrsverhaltens macht neue Mobilitätskonzepte möglich und notwendig“, sagt Brell. „Wir haben es mit einem globalen Trend zu tun: Immer mehr Menschen leben im urbanen Raum. Nachhaltige Mobilität in den Innenstädten und die Vernetzung mit dem Umland wird weiter an Bedeutung gewinnen.“

Dort lägen nach wie vor die Chancen für einen Mix aus öffentlichem und individuellen Personennahverkehr, Sharing Angeboten und Mobility on Demand, so Brell. „Gerade jetzt darf man die Bedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger nicht außer Acht lassen – und sollte ihnen eine Mobilität ermöglichen, die flexibel, aber auch sicher ist.“

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Teresa Brell

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