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Interview

"Die Energiewende braucht neue Geschäftsmodelle"

Einblicke in das Mentoring deutscher Energie-Start-ups

Seit Juli 2020 unterstützt umlaut die Deutsche Energie-Agentur (dena) im Rahmen ihres Programms Start-up Energy Transition Hub (SET Hub) beim Angebot eines individuellen Mentorings für deutsche Energie-Start-ups. Gefördert werden gezielt Gründungen, deren Geschäftsmodelle auf das Erreichen der Energie- und Klimaziele einzahlen.

Projektleiter Dr. Thomas Nicoleit verantwortet bei umlaut das „Venture-as-a-Service“-Portfolio und erläutert, wie dena und umlaut mit diesem Mentoring-Programm dazu beitragen das Innovationstempo der deutschen Energiebranche zu steigern:

Warum ist die Förderung von Start-ups und dieses Programm so wichtig?

Aktuell erleben wir einen radikalen Umbau des gesamten Energiesystems. Wenn wir unsere Energie- und Klimaziele erreichen wollen, muss sich die Geschwindigkeit aber eher noch steigern. Start-ups können mit unkonventionellem Denken, der hohen Motivation und der oft agilen Herangehensweise neue Impulse setzen und das Innovationstempo erhöhen. Die starke Regulierung der Branche macht es den Gründerinnen und Gründern jedoch nicht leicht, ein nachhaltiges Geschäftsmodell zu etablieren – genau hier setzt der Start-up Energy Transition Hub an.

Nicht zuletzt erhoffe ich mir persönlich von dem BMWi-finanzierten Programm langfristig auch eine gewisse Sogwirkung für junge Gründerinnen und Gründer, die bislang noch zögern. Schließlich sind laut dem Deutschen Start-up Monitor lediglich 2,5% der Start-ups der Energiebranche zuzuordnen; wir haben also noch Aufholbedarf.

Was genau erwartet die Start-ups während des dreimonatigen Mentoringprogramms?

Die Start-ups erhalten ein Coaching und professionelle Beratung zur Skalierung ihres Geschäftsmodells. Wichtig ist, dass dies nicht nur ein technisches und wirtschaftliches Sparring ist, sondern dass mit einer strukturierten Umfeldanalyse insbesondere externe Einflussfaktoren aus der rechtlichen, regulatorischen und politischen Perspektive intensiv bearbeitet werden. Mit einem abschließenden Ergebnisbericht werden zudem Handlungsempfehlungen für das Start-up erarbeitet. Wir weisen aber auch gegenüber dem Gesetzgeber auf regulatorische Hürden hin, welche einer Realisierung der politischen Ziele im Einklang mit der Wirtschaftlichkeit innovativer Unternehmen im Weg stehen können.

Was sind dabei die größten Herausforderungen, bei denen die Start-ups unterstützt werden?

Trotz des aktuell sehr dynamischen Wandels ist es in der Energiewirtschaft extrem herausfordernd Fuß zu fassen und eine gute Idee in ein erfolgreiches Unternehmen zu überführen. Das liegt daran, dass man dazu nicht nur fundiertes Wissen zur Entwicklung und Skalierung eines Geschäftsmodells benötigt, das unerfahrene Neugründer oft noch nicht haben. Zusätzlich muss man sich mit den teils komplexen politischen und gesetzlichen Rahmenbedingungen der vergleichsweise stark regulierten Branche auskennen, um Chancen und Risiken richtig einschätzen zu können. Durch das SET Hub Programm erhalten Neugründer sowohl eine grundlegende unternehmerische Ausbildung als auch die nötigen Einblicke und Informationen zu den regulatorischen Besonderheiten des Energiesektors.

Und wie grenzt sich das SET Mentoring der dena gegen andere Programme ab?

Durch den SET Hub und die Einbindung der umfangreichen Technologie- und Markt-Kompetenzen von umlaut schafft die dena ein zentrales Innovationsnetzwerk für deutsche Energie-Start-ups. Die Expertise der gemeinsamen Netzwerke von dena und umlaut speziell zu den regulatorischen Rahmenbedingungen im deutschen Energiesektor ermöglichen eine „Regulatory Due Diligence“ für die Geschäftsmodelle; diese Besonderheit kann in anderen allgemein ausgerichteten Accelerator- oder Incubation-Programmen häufig nicht berücksichtigt werden.

Welche Kompetenzen bringt umlaut in das SET Hub Programm der dena ein?

Wir begleiten seit vielen Jahren die Entwicklung und Implementierung neuer Gesetze und Richtlinien auf nationaler und europäischer Ebene, und unterstützen alle Marktrollen in der Energiewirtschaft real end-to-end von der strategischen Positionierung, über die Umsetzung bis hin zum Application Engineering. Von diesen Erfahrungen können die Start-ups stark profitieren, da wir für viele regulatorische Themen entweder interne Experten haben oder auch Kontakte zu unseren eigenen Partnern oder Kunden herstellen können.

Gleichzeitig tragen wir bei umlaut zu 100% auch selbst Gründer-DNA in uns: Wir sind nicht nur Berater, sondern auch Intrapreneure, die regelmäßig neue Ideen ausprobieren und neue Tochtergesellschaften gründen. Daher skalieren wir häufig auch gemeinsam mit unseren Kunden neue Geschäftsmodelle und entwickeln Innovationsprozesse genau so schlank, wie wir sie selbst leben. Und wir freuen uns sehr, dass wir genau diesen Spirit nun auch mit den dena-Kollegen teilen dürfen, um den SET Hub zur zentralen Anlaufstelle für Energie-Start-ups in Deutschland zu machen!

Bietet sich dadurch nicht auch die Chance für Venture Capital Fonds, besonders erfolgsversprechende Start-ups zu identifizieren?

Auf jeden Fall! Investoren ohne tiefgreifende Branchenkenntnisse können die Entwicklung regulatorischer Rahmenbedingungen häufig nicht ad-hoc antizipieren. Insbesondere in Deutschland ist man ja eher risikoavers, und die Angst vor regulatorischen Showstoppern macht es den Energie-Start-ups besonders schwer an Risikokapital zu kommen. Genau diese Lücke wird jetzt vom SET Mentoring geschlossen, weil wir neben der Entwicklung und Skalierung von Geschäftsmodellen eben auch prüfen, ob die Geschäftsmodelle „regulatorisch wasserdicht“ sind, eben eine sogenannte Regulatory Due Diligence.

Ist denn momentan ein guter Zeitpunkt, um Venture Capital in die Energiewirtschaft zu investieren?

Während andere Branchen deutlich stärker von COVID-19 betroffen sind, erscheint das Investieren in Energie-Start-ups momentan attraktiver: Mal abgesehen davon, dass Energieinfrastrukturen weniger stark von wirtschaftlichen Rezessionen betroffen sind, haben wir derzeit auch vorteilhafte regulatorische Entwicklungen: Der Umbau des komplexen Energiesystems zum Erreichen ökologischer Ziele führt gewissermaßen zu einem gesetzlich verordneten Innovationsdruck, der von Investoren als auch von neuen Ventures zur Gestaltung der Energiewende auch aufgenommen wird.

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