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Porträt

Car Connectivity: Internet on Wheels

Die Auto-Industrie rast in die vernetzte Zukunft – und umlaut Beraterin Darani Yogalingam sitzt mit hinter dem Steuer. Eine Testfahrt.

Klick, klack. Auf, zu. Klick, klack. Auf, zu. Auf einem Parkplatz im Süden Deutschlands, wo die Autobahn einen Schlenker um das Mittelalter-Städtchen Landsberg am Lech macht, steht eine Frau vor einem großen weißen SUV. In der rechten Hand hält sie ein Smartphone, drückt den Daumen auf den Bildschirm. Klick. Türen entriegelt. Nochmal. Klack. Türen verschlossen. „Das hat schon mal gut geklappt“, sagt sie. „Dann wollen wir mal sehen, was das Auto noch so kann.“

Darani Yogalingam ist Wirtschaftsingenieurin mit Schwerpunkt Fahrzeugtechnik und Beraterin bei umlaut. Unter anderem arbeitet sie für einen führenden Produzenten in der Halbleiterfertigungs-Industrie. Ihre Expertise liegt im Prozess und Kostenmanagement – wenn sie nicht gerade auf Deutschlands Straßen unterwegs ist.

Unterwegs im Porsche Taycan

Denn einmal im Monat ist Testfahrt-Tag. Mal fährt sie einen türkisfarbenen Porsche Taycan durch Deutschland, um zu checken, wie gut die Lade-Infrastruktur funktioniert (sie funktioniert, aber wir machen lieber noch ein paar Tests on Töp). Im nächsten Monat sitzt sie in einem Luxus-SUV und wischt sich durch die Fahrzeug-App – Konnektivität, Benutzerfreundlichkeit und Komfort stehen dann auf dem Testbogen.


So wie heute: Darani stellt den Sitz zurück, nimmt den Laptop auf den Schoss und öffnet eine Exceltabelle. Darin: die unterschiedlichen Kategorien, in denen der SUV punkten kann. Vorausgesetzt, die Technik ist vorhanden und funktioniert. App und Smartphone, Navigation, Produktivität, Komfort, Unterhaltung, Extras, Kommunikation, Sprachsteuerung – in allen acht Kategorien trägt Darani Werte in die Tabelle ein.

Als erstes öffnet Darani die App auf dem Smartphone und prüft, ob Status-Informationen wie Ladezustand, Reichweite oder Reifendruck des Autos dort gelistet sind. Funktioniert. Dann überprüft sie, ob die App den Standort des Autos richtig anzeigt und Informationen über die Umgebung bietet. Gibt es Tankstellen in der Nähe? Parkplätze? Kfz-Werkstätten? Funktioniert. Schließlich startet sie die Navigation mit der Funktion „send to car“: Darani tippt eine Adresse in die App ein. Die App verbindet sich mit dem Auto. Auf dem Display des SUV poppt erst die Adresse auf, dann die Zielführung. Funktioniert.

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Die App hilft dabei, den Ladestatus, die Reichweite oder den Reifendruck zu verfolgen.


Die Auswertung der Testergebnisse geschieht dann auch mal abends und nachts. „Das ist sowas wie mein Hobby bei umlaut“, sagt Darani und lacht. Und wer sich fragt, warum sie das macht, hat eins noch nicht verstanden: Darani Yogalingam liebt Autos.

Testfahrt in den Job

Ihr Vater schenkte ihr seinen alten Golf III Kombi, als sie gerade ein paar Tage ihren Führerschein besaß. „Das war abenteuerlich“, sagt Darani heute – und wieder muss sie grinsen – aber auf dem Weg zur Schule fuhr seitdem ein bisschen Stolz mit.

Was als jugendliches Abenteuer begann, entwickelte sich in den folgenden Jahren zu reiner Technik-Faszination. Je länger Darani fuhr und je mehr sie von Autos verstand, desto mehr interessierte sie sich für die Prozesse dahinter. Nach dem Studium Wirtschaftsingenieurwesen absolvierte sie den Master „Automotive Engineering & Management“ an der Hochschule Duisburg-Essen.

Durch ein Praktikum bei Daimler während des Bachelor-Studiums und viele „Testfahrten“ in Autos von Freunden, wuchs die Faszination für die Fahrzeugindustrie: „Immer, wenn sich jemand ein Auto gekauft hat, wollte ich es sofort fahren“, sagt sie. Auch wenn es in ihrem Beruf immer mehr um Projekt- und Prozessmanagement ging: Die Leidenschaft fürs Auto blieb.

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Darani verwaltet ein Testprojekt in Zusammenarbeit mit der Zeitschrift "connect".

Kompaktklasse im Konnektivitäts-Check

Das liegt auch daran, dass die Technik sich gerade in Quantensprüngen entwickelt. „In den teureren Fahrzeugen ist das total sichtbar – hier wird zum Beispiel moderne Mobilfunk-Technik schon breit eingesetzt“, sagt Darani. Viele moderne Fahrzeuge kommunizieren mit dem Smartphone, manche verbinden sich automatisch mit dem Internet und spielen Musik ab, andere finden selbständig einen freien Parkplatz. „Die meisten Autos schneiden sehr gut ab.“ Heute ist sie allerdings zum ersten Mal mit einem Kompaktklassewagen unterwegs – „Autos, die sich die breite Masse leisten kann“.

Für die Ansprüche von Vielfahrern bringt Darani viel Verständnis mit. Ihre Zweizimmerwohnung in der Aachener Innenstadt bewohnen derzeit vor allem ein paar Pflanzen. „Es waren auch mal mehr“, sagt sie und lacht: Überlebt haben die Spezies, die mit wenig Wasser auskommen. Für den Berater-Job ist sie viel unterwegs. Meistens vier Tage die Woche – von Montag bis Donnerstag. Die bis zu 500 Kilometer Strecke legt sie meistens mit der Bahn zurück, der Umwelt zuliebe und auch, weil man im Zug besser arbeiten kann. „Aber wenn es geht fahre ich gerne mal mit dem Auto“, gibt sie zu.

Die Testfahrten kommen ihr da sehr gelegen: „Ich hatte schon im Vorstellungsgespräch bei umlaut gesagt, dass ich gern auch etwas im Bereich Digital Automotive machen würde“, sagt sie. Kurz darauf fragte das Unternehmen, ob sie die Tests unterstützen wolle. Darani wollte. Fünf Monate später, im Oktober 2019, übernahm sie die Projektleitung für das Testing im Kooperationsprojekt mit der Zeitschrift „connect“, zusätzlich zu ihrer Beratertätigkeit beim Kunden. Vorbereitung, Koordination, Auswertung – ein ziemlich großes Paket. „Ich gebe natürlich auch etwas private Zeit dafür auf, aber ich mache das gern“, sagt Darani. „Das ist einfach mein Herzensprojekt.“

Dance-Moves und Excel-Tabellen

Dann startet sie den Motor und rollt vom Parkplatz, langsam und bedächtig. Vielleicht für die Journalistin, die ihr gerade zuschaut – denn: Manchmal, erzählt Darani, singt sie auch laut im Auto oder reißt ein paar Dance-Moves. „Aber nur, wenn ich privat unterwegs bin“.

Ein Blick nach rechts und links, dann biegt sie auf die Straße ab. Während der Fahrt macht sie noch ein paar Testanrufe über das Auto, Pannenhilfe, Notrufzentrale. „Die kennen unsere Anrufe schon“, sagt sie. „Wir warnen sie immer vor.“ Am Abend kommt Darani auf dem letzten Parkplatz für heute an, das Auto hat sie ans richtige Ziel gelotst. Darani nimmt den Laptop vom Beifahrersitz und tippt die Bewertung in die Tabelle. Sie ist zufrieden. „Das Auto hat überraschend gut abgeschnitten, besser als erwartet“, sagt sie. Dann klappt sie den Laptop zu – und macht sich bereit für den besten Teil des Tages: Die Rückfahrt.