umlaut Caroline Weber auf dem Wasser

Porträt

An instinct for picking the right wave

Caroline Weber ist Weltcup-Surferin und Projektmanagerin bei umlaut. Ihr Geheimnis: 110 Prozent geben – und dann einfach mal treiben lassen.

Es ist sieben Uhr morgens, der Wetsuit schützt die Haut vor der kühlen Meeresbrise. Caroline Weber beobachtet die Wellen an der Küste des dänischen Örtchens Klitmøller, die blau-grau-tosend auf sie zurollen. Ihre Haare sind nass, gerade noch war sie ein Teil dieses Naturspektakels, das Segel ihres Surfboards ein bunter Farbfleck auf der weißen Gischt. Ein letzter Blick aufs Meer, dann geht sie ein paar Schritte Richtung Parkplatz: Ab ins Büro.

Die Scheiben des Bullis sind noch etwas beschlagen, durch die offene Heckklappe strömt frische Luft. Auf dem kleinen Tisch im Inneren teilen sich Laptop, Maus und Lampe den knappen Platz und den Strom des Solarpanels auf dem Dach. Caroline hat sich den Sand aus dem Haar gekämmt, ein Headset aufgesetzt und einen Ablauflaufplan geöffnet. Im Videofenster spricht ein Kunde aus München, sie macht Notizen.

Dass draußen jetzt der Wind so rauscht, dass ihr Bulli ein wenig mitschwankt, nimmt sie gar nicht mehr wahr. So fokussiert wie sie Körper und Material über die Wellen lenkt, so klar ist sie jetzt bei ihrer Arbeit. „Mein Anspruch sind 110 Prozent, egal was ich mache.“

Weil 100 Prozent nicht genug sind, wird sie einfach besser und besser.

Seit September 2019 heißt das auch: 110 Prozent Projektmanagerin und Beraterin bei umlaut. Ihre Zeit teilt sie überwiegend zwischen der Projektarbeit für einen großen Defense-Kunden – es geht um die Beschaffung von Material für Krankenhäuser – und der strategischen Geschäftsentwicklung. Die Aufgabe: umlauts Industrie-Expertise aus Automobilbranche und Luftfahrt noch stärker in die Gesundheitswirtschaft übertragen und Synergien zwischen den Sektoren herstellen. „Ein Zukunftsthema“, sagt Caroline.

Die Frage „bist du ehrgeizig?“ kann man ihr kaum zu Ende stellen – da kommt schon die Antwort: „Ja!“ Auch als Kind sei sie schon mit ihrem Vater Surfen gewesen. „Ich war aber nicht gerade sportlich und irgendwann frustriert, weil alle besser waren als ich.“ Das änderte sich bald: Als Jugendliche spielt sie Handball, schwimmt Turniere. Im Studium presst sie Yoga, Laufen und Crossfit in ihren Wochenplan – und eine neu erwachte Liebe zum Wasser.

Während sie den Master für Medical Life Sciences in Lübeck studiert, verbringt sie jede freie Minute in den Fluten. Und weil 100 Prozent eben nicht genug sind, wird sie einfach besser und besser. Sponsoren fragen an, sie startet auf Wettkämpfen, erst in Deutschland und Dänemark, dann auch in Spanien. 2011 startet sie zum ersten Mal für das deutsche Team im Weltcup, während sie parallel ihre Masterarbeit schreibt.

umlaut Caroline Weber am Strand

Auf der Suche nach der richtigen Welle

„Die komplette Fokussierung auf den Moment“

„Surfen ist die komplette Fokussierung auf den Moment“, sagt Caroline. Es kommt auf Intuition an, aber auch darauf, die Wellenbewegungen richtig zu deuten. Wann wartet man ab? Wann stürzt man sich mit aller Kraft auf eine Gelegenheit? Das Mindset, sagt Caroline, begleite sie heute auch im Berufsalltag – „wobei ich den Instinkt auch erstmal schulen musste.“

„Es klingt vielleicht seltsam, aber was meinen Beruf angeht, hatte ich nicht wirklich einen Plan.“ Nach dem Studium nimmt sie ihre erste Stelle bei einem Biotechnologie-Unternehmen an. Erst arbeitet sie in der Forschung, dann kümmert sie sich um die SAP-Integration als Teil der Finanzabteilung. Wie immer mit 110 Prozent – aber ohne genau zu wissen, ob die Richtung stimmt. „Im Studium hatte ich eher ein Faible für Kommunikation“, erinnert sich Caroline.

Manchmal hilft es dann, sich etwas treiben zu lassen. Caroline arbeitet, Caroline surft. „Ich bin eigentlich ein ungeduldiger Mensch“, sagt sie „aber beim Surfen sagt man auch, dass man nicht jede Welle mitnimmt“. Sie trainiert auf dem Wasser und auf dem Land zehn, fünfzehn Stunden die Woche. Am Wochenende fährt sie mit dem Bulli in die kleinen Örtchen Norddänemarks, auch im Urlaub ist das Surfbrett immer dabei. Bis 2019 gewinnt sie dreimal die dänische Meisterschaft in Klitmøller und kämpft sich in Weltcups auf Teneriffa und Sylt ins Spitzenfeld.

Am Strand treffen sich Ärzte, Anwältinnen, Vorstandsmitglieder

„Wenn man Sport auf diesem Niveau betreibt, ist ein hohes Maß an Disziplin gefragt“, sagt Caroline. Am Strand treffen sich deshalb – entgegen mancher Klischees – Ärzte, Anwältinnen und Vorstandsmitglieder. Und so trifft sie auch ihren künftigen Arbeitgeber nicht auf der Jobmesse, sondern mit Sand zwischen den Zehen: Ein surfender umlaut-Kollege spricht sie an, kurze Zeit später startet sie in seinem Team.

Ob das Bulli-Büro eine Bedingung für ihren Einstieg war? „Nein“, sagt Caroline und lacht, „das ist eher eine Ausnahme“. Eine kleine Flucht aus dem Home-Office. „Grundsätzlich muss für mich erstmal die Qualität der Arbeit stimmen. Dann kann ich mich anderen Dingen widmen“. Beides lasse sich jedoch gut vereinen. Zumindest wenn man mit Carolines 220-Prozent-Energiereserve unterwegs ist.

Als Projektmanagerin gehe es auch um Zahlen, aber viel mehr um die Menschen dahinter, sagt Caroline. Ihr analytischer Verstand lebt beim Thema Business Development auf: „Wir fragen uns: Was können wir? Was haben wir schon gemacht? Und wo wollen wir hin?“. Das braucht Überblick und Disziplin – und ein Gespür für den richtigen Moment. Die Eigenschaften einer guten Surferin eben.

umlaut Caroline Weber mit Surfbrett und Blazer

Caroline erobert bei umlaut und auf dem Surfbrett unbekannte Gewässer

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